Mallorca Philipp Rupp

Bundesförderung für vier DVNE-Mitglieder

28. Januar 2026

Gleich vier Mitglieder des Deutschen Verbands für negative Emissionen (DVNE) haben sich im Wettbewerb 2025 der Bundesförderung Industrie und Klimaschutz (BIK) durchgesetzt. Gefördert werden Projekte von Ucaneo, Phlair, NeoCarbon sowie der MVV-Gruppe mit ihren Tochterunternehmen MVV Umwelt GmbH und MVV Biogas GmbH.

Die BIK ist eines der zentralen Förderinstrumente der Bundesregierung, um klimafreundliche industrielle Technologien in die Anwendung zu bringen. Besonders erfreulich: Mehrere der ausgezeichneten Vorhaben adressieren direkt die CO₂-Entnahme aus der Atmosphäre und die dauerhafte Speicherung von Kohlenstoff.

Bundesförderung Industrie und Klimaschutz: Innovation für die Transformation der Industrie

Mit der Bundesförderung Industrie und Klimaschutz (BIK) unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) klimafreundliche, industrielle Innovationen. Ziel ist es, die Transformation zentraler Industriezweige zu beschleunigen und den Markthochlauf zukunftsweisender Technologien zu ermöglichen.

Die Förderung erfolgt in zwei Modulen:

  • Modul 1 unterstützt die Dekarbonisierung industrieller Prozesse, insbesondere durch Elektrifizierung und den Einsatz von Wasserstoff zur Erzeugung klimaneutraler Prozesswärme.
  • Modul 2 adressiert die CO₂-Nutzung (CCU) und CO₂-Speicherung (CCS) – und damit auch Technologien zur Erzeugung negativer Emissionen.

Insgesamt sollen durch die BIK bis 2045 rund 40 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente eingespart werden. Der nun abgeschlossene Förderwettbewerb 2025 zeigt die hohe Innovationskraft der deutschen Industrie: 38 Projekte aus zahlreichen Branchen erhalten Fördermittel in Höhe von insgesamt rund 476 Millionen Euro. Mit ihnen sollen private Investitionen von über einer Milliarde Euro ausgelöst werden. Vier DVNE-Mitglieder wurden mit wegweisenden Projekten ausgezeichnet:

NeoCarbon GmbH – ANEWDACUS: Aus der Luft zu Baustoff

NeoCarbon: Direct Air Capture

Das Verbundprojekt ANEWDACUS von NeoCarbon entwickelt eine DAC-Anlage mit innovativen Hohlfaserabsorbern, die CO₂ aus der Umgebungsluft filtert. Die Anlage nutzt Abwärme aus industriellen Anlagen wie beispielsweise Datenzentren und ist modular skalierbar.

Das abgeschiedene CO₂ wird anschließend durch Karbonatisierung in Beton dauerhaft gespeichert. Damit entsteht eine vollständige Wertschöpfungskette für Negativemissionen – von der CO₂-Entnahme bis zur dauerhaften Speicherung im Baustoff.

Phlair GmbH – E3CO2-SUV: Direct Air Capture aus der Umgebungsluft

Das von Phlair koordinierte Verbundvorhaben E3CO2-SUV entwickelt ein elektrochemisches Direct Air Capture (DAC)-System auf Basis von Phlairs patentiertem Hydrolyzer, das CO₂ direkt aus der Umgebungsluft abscheidet. Das Konsortium besteht aus Phlair, zwei deutschen Universitäten (TUM und RPTU) sowie einem deutschen Industriepartner.

Ziel sind Bau und Betrieb einer kommerziellen DAC-Anlage mit optimierten Absorptions- und Desorptionsprozessen bei reduziertem Energiebedarf. Das abgeschiedene CO₂ soll sowohl als Rohstoff für Polymere genutzt werden als auch in Abbruchbeton gespeichert werden.

Ucaneo Biotech GmbH – DENI: Skalierbare DAC-Demonstrationsanlage

Mit DENI errichtet Ucaneo in Berlin eine Demonstrationsanlage für eine energiesparende, elektrochemische DAC-Technologie. Die Anlage soll bis 2027 in Betrieb gehen und gehört dann zu den größten ihrer Art in Europa.

In einem einjährigen Testbetrieb wird die Technologie zur Marktreife geführt. Gelingt das Vorhaben, stärkt es Deutschlands Rolle als führender Standort für skalierbare Direct-Air-Capture-Technologien.

MVV Biogas GmbH – BioCCUS: Negativemissionen aus Biogas

MVVBioGas1

Mit dem Projekt BioCCUS plant die MVV Biogas GmbH am Standort Bernburg (Sachsen-Anhalt), biogene CO₂-Emissionen aus der Biogaserzeugung dauerhaft in mineralischen Stoffströmen zu binden.

Das bei der Biogasaufbereitung abgeschiedene CO₂ wird gereinigt, verflüssigt und anschließend bei einem Kooperationspartner in mineralischen Materialien karbonatisiert. Der überwiegende Teil des CO₂ kann als Kohlenstoffsenke zertifiziert werden – es entstehen echte Negativemissionen. Damit trägt das Projekt wesentlich zur Etablierung von CO₂-Nutzungstechnologien und zur Emissionsminderung in der Abfall- und Bioenergiebranche bei.

MVV Umwelt GmbH – CELINA: Kohlenstoffkreislauf aus Abfällen

Im Projekt CELINA koordiniert die MVV Umwelt GmbH die Arbeiten in einem Konsortium, das mit Hilfe eines thermo-chemischen Vergasungsverfahrens schwer vermeidbare CO₂-Emissionen aus der Abfallverwertung deutlich reduzieren möchte.

Statt Abfälle zu verbrennen, wird der enthaltene Kohlenstoff so umgewandelt, dass er als Rohstoff für Basischemikalien nutzbar wird. Das Vorhaben schafft die Grundlage für eine industrielle Anlage, die eine bestehende Abfallverbrennung ersetzen und CO₂-Emissionen reduzieren könnte.

Warum öffentliche Förderung so wichtig ist

Methoden zur CO₂-Entnahme, -Nutzung und -Speicherung befinden sich vielfach im Übergang von Forschung zu industrieller Anwendung. Öffentliche Förderprogramme wie die BIK sind entscheidend, um:

  • Pilot- und Demonstrationsanlagen zu ermöglichen
  • unternehmerische Risiken zu reduzieren
  • Investitionen in neue Märkte anzustoßen
  • den Markthochlauf klimarelevanter Schlüsseltechnologien zu beschleunigen

Die ausgewählten Projekte zeigen: Klimaschutz und industrielle Wettbewerbsfähigkeit gehören zusammen. Wir gratulieren unseren Mitgliedern zur verdienten Förderung.

Stefan Schlosser, Geschäftsführer des DVNE

Nächste BIK-Runde: Jetzt neue Projekte vorbereiten

Der nächste Förderwettbewerb der Bundesförderung Industrie und Klimaschutz ist für Anfang 2026 angekündigt. Unternehmen können voraussichtlich bis 28. Februar 2026 innovative Projekte für CO₂-arme Produktionsverfahren sowie CCU- und CCS-Technologien einreichen.

Die offiziellen Förderaufrufe werden zeitnah im Bundesanzeiger veröffentlicht. Für Unternehmen, die Lösungen zur CO₂-Entnahme und -Speicherung entwickeln, bietet sich hier eine hervorragende Gelegenheit, Pilot- und Demonstrationsprojekte auf den Weg zu bringen.

Zum Förderaufruf für das Modul 1
Zum Förderaufruf für das Modul 2

Gemeinsam den Hochlauf negativer Emissionen gestalten

Die Erfolge unserer Mitglieder im BIK-Förderwettbewerb zeigen: Die deutsche CDR-Branche ist innovationsstark und bereit für den nächsten Schritt in Richtung industrieller Anwendung. Werden Sie Teil des DVNE und gestalten Sie mit uns den Markthochlauf negativer Emissionen in Deutschland und Europa.