
Deutschland investiert: CDR im Aufwind
19. August 2025
Lange war die CO₂-Entnahme (Carbon Dioxide Removal, kurz: CDR) vor allem ein Thema für wissenschaftliche Debatten und Pilotprojekte. Nun deutet sich ein Kurswechsel an: Die Bundesregierung schafft nach und nach die finanziellen und rechtlichen Grundlagen, um CDR in Deutschlands Klimapolitik zu verankern und in den Markt zu bringen.
Rund 380 Mio. Euro für CDR
Im Regierungsentwurf des Bundeshaushalts 2026 sind erstmals über 111 Millionen Euro für Negativemissionen vorgesehen. Davon sollen 98 Millionen Euro in die Förderung konkreter Projekte fließen, 11,5 Millionen Euro in den Ankauf von CO₂-Entnahmezertifikaten. Zusätzlich sind bis 2033 Verpflichtungsermächtigungen von 320 Millionen Euro eingeplant. Auch an anderen Stellen des Haushalts finden sich Mittel, etwa 44,6 Millionen Euro für Böden als Kohlenstoffspeicher. Damit wird deutlich: Die Bundesregierung ist bereit, substanzielle Mittel in den Aufbau eines CDR-Ökosystems zu investieren.
Referat für negative Emissionen im BMUKN
Neben finanziellen Ressourcen braucht es institutionelle Verankerung. Laut einem aktuellen Organigramm-Entwurf plant das Bundesumweltministerium (BMUKN), ein eigenes Referat für Negativemissionen einzurichten. Offiziell bestätigt ist dies zwar noch nicht, doch wäre es ein starkes Signal: Erstmals erhielte CDR einen festen Platz innerhalb der nationalen Klimapolitik – gleichberechtigt neben anderen Themen wie Energiewende oder Wärmeplanung.
Rechtlicher Rahmen für Transport und Speicherung
Ein weiterer Baustein ist die Änderung des Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes, die das Bundeskabinett bereits beschlossen hat. Damit wird der Transport und die geologische Speicherung von CO₂ beziehungsweise Kohlenstoff ermöglicht – eine notwendige Voraussetzung für mehrere CDR-Methoden, die ohne Transport oder Speicherung nicht funktionieren können.
Deutschland auf dem Weg zur Vorreiterrolle?
Zusammengenommen markieren diese Entwicklungen einen bedeutenden Wandel: CDR rückt aus der Nische ins Zentrum der Klimapolitik. Finanzierung, institutionelle Verankerung und rechtliche Rahmenbedingungen entstehen nahezu gleichzeitig. Die entscheidende Frage ist nun, ob Deutschland dieses Momentum in eine echte Vorreiterrolle in Europa übersetzen kann – durch Skalierung, funktionierende Märkte und wirksame Beiträge zum Klimaschutz.
Einschätzung des DVNE
Der DVNE begrüßt diese Entwicklungen ausdrücklich. Sie zeigen, dass die Politik die Bedeutung von CO₂-Entnahme zunehmend erkennt und die Weichen für einen funktionsfähigen Markt stellt. Entscheidend wird nun sein, Geschwindigkeit aufzunehmen, Investitionen zu verstetigen und klare Rahmenbedingungen für Unternehmen und Projekte zu schaffen. Nur so kann Deutschland seine Chance nutzen, beim Thema CDR eine echte Vorreiterrolle einzunehmen.
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