
Negative Emissionen 2025: Vom Ob zum Wie
16. Dezember 2025
2025 war für den globalen Klimaschutz kein einfaches Jahr. Wirtschaftliche Unsicherheit, globale Krisen und politische Veränderungen führten dazu, dass die Dynamik beim Klimaschutz in vielen Ländern zurückging. Aber: Die Zurückhaltung in Sachen Klimaschutz färbt verhältnismäßig wenig auf den Bereich negativer Emissionen ab. Im Gegenteil: Selten ist hier so viel passiert wie in diesem Jahr.
Wenn man so will, haben wir 2025 begonnen, naturbasierte und technische Verfahren zur aktiven CO2-Entnahme strategisch zu etablieren und damit ein neues Kapitel im Klimaschutz aufgeschlagen. Hier einige der Höhepunkte:
- Verankerung des deutschen Klimaziels im Grundgesetz
- Eigene Förderlinie für negative Emissionen im Bundeshaushalt 2026
- Eigenes Referat für Negativemissionen im Bundesumweltministerium
- Gesetzlicher Rahmen für CO₂-Transport und -Speicherung mit dem Kohlendioxid-Speicherungs- und Transportgesetz
- Änderungen im Hohe-See-Einbringungsgesetz (HSEG), die marines CDR für Forschungszwecke erlauben
- Auf EU-Ebene: Net Zero Industry Act zählt CO₂-Entnahme zu den strategischen Netto-Null-Technologien in Europa
- EU-2040 Klimaziel, das negative Emissionen als Teil der Lösung benennt und die Möglichkeit schafft, einen Teil der Zertifikate im Ausland zu beschaffen (wir werden uns dafür einsetzen, dass hochwertige CDR-Zertifikate beschafft werden)
CDR ist raus aus der Nische
Prof. Dr. Edenhofer hat diese Entwicklung bei unserem Parlamentarischen Abend im Sommer auf den Punkt gebracht: „CDR ist raus aus der Nische.“ Das zeigt sich auch in der Öffentlichkeit: Negative Emissionen werden inzwischen deutlich häufiger, differenzierter und sachlicher diskutiert als noch vor einem Jahr. Damit wird auch klar: Die Klimapolitik bekommt neben Reduktion und Anpassung ein drittes Standbein: negative Emissionen. Es ist richtig, dass der Hauptfokus auf Emissionsreduktion liegen muss. Aber es ist eben auch Fakt, dass wir ergänzend negative Emissionen brauchen. Damit geht es jetzt bezüglich CO2-Entnahme nicht mehr um das Ob – sondern um das Wie:
- Wie viele negative Emissionen brauchen wir konkret, auch zur Erreichung deutscher und internationaler Klimaziele?
- Welche Methoden eignen sich hierfür besonders gut?
- Können wir alle Negativemissionen sinnvoll im Inland produzieren oder sollte ein Teil im Ausland beschafft werden?
Herausforderungen 2026
Und damit sind wir schon bei den Herausforderungen, die 2026 auf uns warten:
- Die Gelder aus dem Haushalt müssen möglichst effizient und zielgerichtet eingesetzt werden. Gemeinsam mit unseren Mitgliedern wollen wir im Dialog mit der Bundesregierung dazu beitragen, die richtigen Prioritäten zu setzen.
- Wir müssen weitere Töpfe im Haushalt auf ihre Eignung für negative Emissionen prüfen und idealerweise weitere öffentliche Gelder für die Branche mobilisieren.
- Wir brauchen eine Langfriststrategie Negativemissionen für verlässliche Investitionsbedingungen. Wir werden uns für eine möglichst baldige Verabschiedung einsetzen.
- Auf EU-Ebene wollen wir sicherstellen, dass internationale Emissionszertifikate unter Artikel 6 höchsten Qualitätsstandards entsprechen.
- Und es kommt noch ein weiterer Punkt hinzu: Wir müssen es schaffen, mehr Großunternehmen nicht nur von CDR-Käufen, sondern auch von einem öffentlichen Bekenntnis zu überzeugen.
Mehr Mitglieder, mehr Sichtbarkeit, mehr Einfluss
Ich bin zuversichtlich, dass wir diese Aufgaben und Herausforderungen meistern werden. Denn wir sind ein starkes Team. Wir sind in diesem Jahr weiter gewachsen und haben jetzt mehr Mitglieder, mehr Sichtbarkeit, mehr Einfluss. Und durch die im Herbst beschlossene Zusammenarbeit zwischen Negative Emissions Platform (NEP), Association Française pour les Émissions Négatives (AFEN) und dem DVNE bündeln wir europäische Kräfte – ein wichtiger Schritt, um CDR in Europa stark zu machen und große Unternehmen europaweit zu vertreten.
Was mich besonders stolz macht: Nichts davon wäre ohne die Energie, die Ideen und das Vertrauen unserer Mitglieder, unseres Vorstands und meines Teams möglich gewesen – ihr macht diesen Verband lebendig und stark.
Deutschland hat die Voraussetzungen, ein globaler Leitmarkt für CO₂-Entnahme zu werden – und nun auch einen politischen Rahmen, der zunehmend in die richtige Richtung weist. Wir haben 2025 ein neues Kapitel für negative Emissionen geöffnet. Jetzt liegt es an uns, dafür zu sorgen, dass spätere Generationen hier eine Erfolgsgeschichte lesen!
Think negative – für eine positive Zukunft!
Stefan Schlosser
Geschäftsführer des DVNE
Rund um die aktive Entnahme von Kohlendioxid (CO₂) aus der Atmosphäre entsteht eine neue Industrie. Deutschland ist in einer einzigartigen Position, Vorreiter dieser neuen Carbon Dioxide Removal-Industrie (CDR) zu werden. Erfahre mehr über die Bedeutung für den Klimaschutz, das wirtschaftliche Potenzial und die diversen CDR-Methoden auf think-negative.org.