
BIK: Förderchance für CO₂-Entnahme
21. Oktober 2026
Mit dem dritten Förderaufruf der Bundesförderung Industrie und Klimaschutz (BIK) eröffnet das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie neue Fördermöglichkeiten für innovative CO₂-Abscheidungs-, Nutzungs- und Speichertechnologien. Der am 19. Oktober 2026 veröffentlichte Aufruf bietet auch Chancen für die CO₂-Entnahme: Förderfähig sind unter anderem Direct Air Capture und innovative CO₂-Abscheidungsverfahren in der thermischen Abfallbehandlung. Unternehmen können ihre Projektskizzen bis zum 6. Dezember 2026 einreichen.
Förderung für innovative CO₂-Technologien
Mit der BIK unterstützt der Bund Unternehmen dabei, industrielle Emissionen zu reduzieren und neue Technologien zur Abscheidung, Nutzung und Speicherung von CO₂ zu entwickeln. Der dritte Förderaufruf betrifft Modul 2, Teilmodul 2 des Programms und richtet sich gezielt an Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsvorhaben. Die Förderung soll dazu beitragen, innovative Verfahren weiterzuentwickeln und ihre spätere industrielle Anwendung vorzubereiten.
Förderfähig sind Projekte in der Kalk- und Zementindustrie, der thermischen Abfallbehandlung, der Grundstoffchemie sowie der Glas- und Keramikindustrie. Direct Air Capture (DAC), also die Abscheidung von CO₂ direkt aus der Umgebungsluft, wird ausdrücklich als eigenständiger Förderbereich berücksichtigt. Auch Forschungsvorhaben zur Erkundung, Entwicklung und Überwachung geologischer CO₂-Speicher können unterstützt werden.

Für die CO₂-Entnahmebranche ist die Förderung insbesondere dort relevant, wo atmosphärisches oder biogenes CO₂ abgeschieden und dauerhaft gespeichert wird. Denn dann können tatsächlich negative Emissionen entstehen. Das gilt zum Beispiel für Direct Air Capture in Verbindung mit dauerhafter Speicherung (DACCS).
Auch in der thermischen Abfallbehandlung können Verfahren zur Abscheidung und dauerhaften Speicherung des biogenen CO₂-Anteils negative Emissionen ermöglichen.
CO₂-Abscheidung bedeutet noch keine Negativemissionen
Nicht jede CO₂-Abscheidung und nicht jede CO₂-Nutzung führt automatisch zu einer CO₂-Entnahme. Die dauerhafte Speicherung fossilen CO₂ vermeidet Emissionen. Negative Emissionen entstehen dagegen, wenn atmosphärisches oder biogenes CO₂ dauerhaft aus dem Kohlenstoffkreislauf entfernt wird und die gesamte Prozesskette eine entsprechende Netto-Klimawirkung aufweist.
„Die neue BIK-Förderrunde ist ein wichtiges Signal für unsere Branche. Sie hilft Unternehmen, innovative Technologien weiterzuentwickeln und den Schritt in die industrielle Anwendung zu gehen. Doch das Potenzial der BIK für die CO₂-Entnahme ist längst nicht ausgeschöpft. Wenn Deutschland eine wettbewerbsfähige CDR-Industrie aufbauen will, müssen wir das Programm für weitere geeignete Verfahren öffnen.“
Stefan Schlosser, Geschäftsführer des DVNE
Wer kann sich bewerben?
Der Förderaufruf richtet sich an Unternehmen, die innovative Technologien zur CO₂-Abscheidung, -Nutzung oder -Speicherung entwickeln und deren industrielle Anwendung voranbringen wollen. Auch Verbundprojekte mit mehreren Partnern sind möglich.
Bei Forschungsverbünden muss mindestens ein Unternehmen beteiligt sein, das die industrielle Anwendung der entwickelten Technologie in einer Produktionsanlage in Deutschland anstrebt. Für junge Technologieunternehmen und spezialisierte Anbieter kann die Zusammenarbeit mit Industriepartnern deshalb besonders interessant sein.
Die Förderung ermöglicht es, neue Verfahren unter anwendungsnahen Bedingungen weiterzuentwickeln, technische Risiken zu reduzieren und wichtige Schritte in Richtung industrieller Skalierung vorzubereiten. Die konkrete Förderfähigkeit hängt jedoch vom jeweiligen Vorhaben und den Vorgaben des aktuellen Aufrufs ab. Nicht jedes Verfahren zur CO₂-Entnahme ist bereits berücksichtigt.
Welche Zuschüsse sind möglich?
Die Höhe der Förderung richtet sich nach Art und Umfang des Vorhabens sowie den beihilferechtlichen Vorgaben. Die BIK-Förderrichtlinie sieht für Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsprojekte folgende Förderhöchstbeträge vor:
Art des Vorhabens
Industrielle Forschung
Experimentelle Entwicklung
Durchführbarkeitsstudien
Maximaler Zuschuss
35 Mio. Euro
25 Mio. Euro
8,25 Mio. Euro
Die reguläre Förderquote beträgt bei industrieller Forschung 50 Prozent, bei experimenteller Entwicklung 25 Prozent und bei Durchführbarkeitsstudien 50 Prozent der beihilfefähigen Kosten. Unter bestimmten Voraussetzungen, beispielsweise für kleine und mittlere Unternehmen, können höhere Förderquoten möglich sein.
Die genannten Beträge sind Obergrenzen und keine pauschalen Förderzusagen. Über die tatsächliche Förderung wird in einem wettbewerblichen Auswahlverfahren entschieden. Zudem steht die Bewilligung unter dem Vorbehalt verfügbarer Haushaltsmittel.
So funktioniert die Bewerbung
Das Antragsverfahren ist zweistufig. Unternehmen reichen zunächst eine Projektskizze ein. Nach deren Bewertung werden ausgewählte Antragsteller aufgefordert, einen vollständigen Förderantrag vorzulegen.
Für die aktuelle Förderrunde gelten zwei zentrale Fristen:
- 6. Dezember 2026: Einreichung der Projektskizzen
- 7. März 2027: Einreichung der vollständigen Förderanträge für ausgewählte Vorhaben
Bei der Auswahl spielt die Fördereffizienz eine besonders wichtige Rolle. Bewertet wird unter anderem, welche CO₂-Minderung ein Projekt im Verhältnis zur beantragten Förderung bis 2035 erwarten lässt. Dieses Kriterium macht 50 von insgesamt 100 möglichen Bewertungspunkten aus. Weitere Kriterien betreffen unter anderem den Innovationsgrad, die Geschwindigkeit der industriellen Anwendung, die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren und den zusätzlichen Energiebedarf.
Interessierte Unternehmen sollten deshalb nicht nur die technische Machbarkeit ihres Vorhabens darstellen, sondern auch dessen erwartete Klimawirkung, den Weg zur industriellen Anwendung und die Wirtschaftlichkeit der beantragten Förderung überzeugend erläutern.
DVNE-Mitglieder zeigen, welche Potenziale in der Förderung liegen
Dass die BIK bereits wichtige Impulse auch für CO2-Entnahme setzen kann, zeigen die Ergebnisse früherer Förderrunden. Im Jahr 2025 erhielten die vier DVNE-Mitgliedsunternehmen Ucaneo, Phlair, NeoCarbon und die MVV Energie AG Förderzusagen für insgesamt fünf Projekte (wir berichteten).
Ucaneo arbeitet mit dem Projekt DENI an einer Demonstrationsanlage zur elektrochemischen CO₂-Abscheidung aus der Umgebungsluft. Phlair entwickelt im Projekt E3CO2-SUV ebenfalls ein elektrochemisches DAC-Verfahren und untersucht Möglichkeiten zur anschließenden Nutzung beziehungsweise Speicherung des abgeschiedenen CO₂.
NeoCarbon verfolgt mit ANEWDACUS einen Ansatz, bei dem industrielle Abwärme für Direct Air Capture genutzt und das abgeschiedene CO₂ anschließend in Beton mineralisiert werden soll. MVV ist mit zwei Projekten vertreten: BioCCUS untersucht die Mineralisierung biogenen CO₂ aus der Biogasaufbereitung, während CELINA die thermochemische Umwandlung von Abfällen zur Bereitstellung chemischer Rohstoffe adressiert.

Ein wichtiger Baustein für den industriellen Hochlauf
Die neue Förderrunde bietet Unternehmen die Möglichkeit, innovative Technologien weiterzuentwickeln und den Weg zur industriellen Anwendung vorzubereiten. Für die deutsche CO₂-Entnahmebranche ist das ein wichtiger Baustein, denn viele Verfahren müssen technische und wirtschaftliche Herausforderungen überwinden, bevor sie in größerem Maßstab eingesetzt werden können.
Zugleich zeigt der aktuelle Förderaufruf, dass die Möglichkeiten der BIK für die CO₂-Entnahme noch nicht vollständig ausgeschöpft sind. Der DVNE setzt sich deshalb dafür ein, das Programm für weitere CDR-Verfahren zu öffnen, die sich sinnvoll in den industriellen Förderrahmen integrieren lassen.
Für Unternehmen mit geeigneten Projekten entstehen bereits jetzt konkrete Chancen. Angesichts der kurzen Einreichungsfrist empfiehlt es sich, die Förderfähigkeit frühzeitig mit dem Projektträger zu klären.
Informationen und Antragstellung
Alle maßgeblichen Förderbedingungen ergeben sich aus dem dritten Förderaufruf und der zugrunde liegenden BIK-Förderrichtlinie. Projektskizzen müssen bis zum 6. Dezember 2026 eingereicht werden.
- BIK Modul 2: Informationen und Förderaufruf
- Pressemitteilung des BMWE
- BIK-Förderung für vier DVNE-Mitglieder
Gemeinsam den Hochlauf negativer Emissionen gestalten
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